Herausforderung angenommen – und die eigene Kreativität neu entdeckt!

von Corinna Endlich

Kultur und Leben

„Dein/e Freund/in xy hat Dich in einem Beitrag erwähnt.“ So oder so ähnlich heißt es, wenn dein Name auf einer Social Media-Plattform markiert und genannt wird. Es sind Reaktionen auf die eigenen Kommentare in fremden Beiträgen, auf das schöne neue Titel- oder Profilbild, auf das Posting einer beruflichen Tätigkeit oder eben auch die Aufforderung zur Teilnahme an einer – weltweiten – Challenge.

Auslöser, Anlässe oder Ideen für solche Aktionen gibt es viele; der Ablauf ist stets nahezu identisch: Jemand erfindet eine Aktion, lädt ein persönliches Video oder Foto, welches das Thema demonstriert, im eigenen Account hoch und nominiert eine:n Freund:in, es ihm oder ihr gleichzutun. Einen wahren Hype hat zum Beispiel die als Spendenkampagne gedachte „ALS Ice Bucket Challenge“ 2014 ausgelöst. Die Teilnehmer:innen waren hierbei aufgefordert, sich einen Kübel eiskaltes Wasser über den Kopf zu schütten und 5,- US-Dollar an die ALS Association zu spenden, um so auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam zu machen. Nominierte, die der Aufforderung nicht nachkamen, spendeten dann als Ersatz eine weit höhere Summe.

Diese Eisdusche ist an mir vorübergegangen, was ich nicht bedauere. Erstmals aber habe ich 2016 eine Herausforderung angenommen, die mich zu einem sportlichen Wettbewerb animierte; mit gutem Zweck bzw. Hintergrund: Um auf die Traumata aufmerksam zu machen, die Soldaten besonders durch ihre Auslandsaufenthalte erleben, waren die Teilnehmenden aufgefordert, an 22 Tagen 22 Liegestützen zu absolvieren – vor der Kamera natürlich als Beleg für die Community. Mit jedem Tagesposting wurde aus dem eigenen Facebook-Freundeskreis eine Person zur Teilnahme aufgefordert. Meine Motivation zur Beteiligung lag nicht so sehr in der Überzeugung, für die Sache ein Statement zu setzen, sondern eher darin, dass der Freund, der mich nominierte, ein wirklich guter Freund gewesen ist. Da dachte ich mir: Der soll mal sehen, dass ich das kann! Er war erstaunt über meine Teilnahme, das hat mich gefreut.

Im Laufe der vergangen drei bis vier Jahre sind solche Aufrufe mit verschiedenen Themen dann immer mal wieder bei mir gelandet. Manchmal fühle ich mich herausgefordert, manchmal finde ich Idee und/oder Ausführung witzig oder manchmal gefällt mir auch der Personenkreis der Beteiligten besonders, weil es Studienkolleg:innen aus Kiel sind oder ähnliches. Weil sich die Appelle aber auch oftmals wiederholen, war mein Interesse schon geschwunden. Bis zum letzten coronabedingten Lockdown im Mai 2021. Da nämlich hieß die Challenge „Weil Kunst systemrelevant ist“ und bestand darin, die eigene Kunst in den Vordergrund zu rücken. Habe ich zunächst ganz auf meinen Museumsjob geschaut und überlegt, welche Motive ich im kult wohl finde, die in das Format passen werden, fand ich bald schon in meinem alten Fundus eigener Arbeiten eine längst vergessene Auswahl an „Kunststücken“, die ich mich zu posten getraut habe. Mein dann noch ausgelöster Enthusiasmus, schnell wieder zu Farbe und Papier zu greifen, um an das einstige künstlerische Arbeiten anzuknüpfen, hat sich mangels Zeit bisher zwar noch nicht erfüllt; doch das kann ja noch was werden.

Schaue ich mir die Fotos auf meinem Facebook-Account nun so an, habe ich durch all diese kleinen unterhaltsamen Wettbewerbe so manchen Einblick in meine persönlichen Vorlieben gewährt – Literatur, Film, Musik oder Kunst … von allem ist etwas dabei.

Corinna Endlich

Die gebürtige Bremerhavenerin Corinna Endlich lebt seit Ende 2014 im Münsterland. Die Katzenfreundin hat aufgrund ihrer beruflichen Stationen zahlreiche (Bundes-)Länder und Kulturhäuser kennengelernt. Als Archäologin begeistert sie sich gar nicht so sehr für ‚tote Dinge' und Gegenstände; vor allem faszinieren sie die Gesellschaft an sich und die Vielschichtigkeit von Kunst und Kultur. Da sie nun mal ein Nordlicht ist und bleibt – das Moin zu jeder Tageszeit gehört dazu –, genießt sie Ausflüge an die Niederländische See; das ist ja fast vor der Haustür.

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